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Bahnbrechende Schau zu den "Verschollenen"

Genau 80 Jahre ist es her, dass zur Kirchweih 1937 auf der Fassade des Hersbrucker Rathauses ein riesiges Wandgemälde enthüllt wurde- das größte in ganz Nordbayern. Wie die ausführenden Künstler versteckte Kritik am 1937 herrschenden Regime in ihrer Malerei ausdrückten und warum diese Fassadenmalerei heute nicht mehr existiert, dieser Frage geht eine Ausstellung des Kunstmuseums Hersbrucks nach. Auch warum die um 1900 geborenen Künstler der Region, zu der auch die Maler des Rathaus-Freskos Eitel Klein und Erich Kohout zählen, heute als die „Verschollenen“ bezeichnet werden, wird in der Ausstellung und im kenntnisreich durch Kunsthistorikerin Dr. Birgit Rauschert erstellten Begleitkatalog behandelt. Das spannende, wenn auch teilweise dunkle Kapitel der heimischen Kunstgeschichte ist in dieser Form noch nie aufgeschlagen worden.

„Viele Künstler der Jahrgänge um 1900 hatten einen schwierigen Werdegang,“ erläutert der Leiter des Kunstmuseums Hersbruck, Uli Olpp.
„Zunächst absolvierten sie nach verlorenem Krieg und politischem Neuanfang ein Studium und waren voller Begeisterung für den Aufbruch in die noch junge Moderne. Dann, gerade beim Start in die Selbständigkeit, die Ermächtigung der Nationalsozialisten, die ihnen mit der Brandmarkung „Entartete Kunst“ und mit Malverboten entgegen traten. Dies führte bei vielen zu künstlerischen Ausweichbewegungen und innerem Rückzug.“

Einigen Künstlern gelang nach dem zweiten Weltkrieg die Wiederaufnahme der modernen Mal- und Arbeitsweise. Andere gerieten zwischen die Fronten von Naziherrschaft und kaltem Krieg und waren nach 1945 zu erschöpft und entmutigt, um den Faden ihrer Karriere künstlerisch selbstbewusst wieder aufzunehmen. Für diese Generation wurde der Begriff „Die Verschollenen“ vom Kunsthistoriker Rainer Zimmermann geprägt. In seinem 1980 erschienen Buch: „Die Kunst der Verschollenen Generation“ griff er den soziologischen Begriff der „Lost Generation“ (Verlorene Generation) auf, der unter anderem durch Gertrude Stein und Hannah Arendt in die Literatur eingeführt wurde und auf die Schriftsteller der 1920er Jahre bezogen ist.

Die Künstler, denen sich die Schau im Kunstmuseum am Spitaltor widmet, sind neben den Genannten Eitel Klein und Erich Kohout auch Fritz Burkhardt, Eduard Aigner und der im Umkreis wohlbekannte Ernst Pflaumer. Für die Kuratorenarbeit und die Recherche konnte das Team des Kunstmuseums Dr. Birgit Rauschert aus Erlangen gewinnen, die über „die verhinderte Moderne“ der Nürnberger Künstler der verschollenen Generation promoviert hat und somit für die Arbeit an dem Katalog prädestiniert ist, der einige neue Einsichten bieten wird.

Für die Hersbrucker dürften die Bilder und Geschichten rund um das bemalte Rathaus am fesselndsten sein: wie die Maler ihre Aufmüpfigkeit durch ihren Malstil ausgedrückt haben, obwohl ein deutlich sichtbares Hakenkreuz das Werk in den Augen des Regimes sozusagen „absegnete“. Wie der Studentenstreich, einigen nackten Badenden auf dem Wandbild Höschen aus Papier zu verpassen, den Bürgermeister in Rage brachte. Und wie 1945 das Hersbrucker Rathaus samt Wandbild abbrannte und die Bemalung in Vergessenheit geriet.

Zur Ausstellungseröffnung von „Die Verschollenen“ lädt das Kunstmuseum am Donnerstag, 21. September, um 20 Uhr ein. Frau Dr. Rauschert und Museumsleiter Uli Olpp werden in die Schau einführen, die bis zum 17. Dezember Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet sein wird. Der Katalog ist zu den Öffnungszeiten im Kunstmuseum und auch in der Buchhandlung Lösch erhältlich.


 













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