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Vom "Damenschnitt" zum Kunstobjekt

Eine Ausstellung im Kunstmuseum Hersbruck befasst sich mit der Entwicklung des Scherenschnitts ins 21. Jahrhundert

Weg mit dem Bastelscherchen und her mit dem Skalpell:
die Ausstellung „Vom Scherenschnitt zum Cut-Out“ pustet den Staub vom Handarbeitskörbchen und befreit das Stiefkind der Kunst, den Scherenschnitt, von seinem spießigen Image als Zeitvertreib für bastelnde Damen aus gutem Haus. Raumgreifende, expressive und originelle Werke sprengen den Rahmen des Genres und sind zunächst bis zum Sommerfest des Museums am 20. Juli und dann noch einmal im Herbst zu sehen.

Den größten Sprung hinweg von den Erwartungen, die im Kopf über Scherenschnitte existieren (schwarz-weiß, filigran, liebliche Themen) tut Gerhard Wöllmer. Seine drei roten kreisförmigen Objekte aus selbst gefärbter Zellulose nehmen eine ganze Wand ein, eröffnen mit ihren präzis runden Durchblicken eine ganz eigene Räumlichkeit- und auch durch farbige Schatten eine nicht zu leugnende meditative Wirkung.
Die Vorsitzende des Deutschen Scherenschnittvereins Antje Buchwald rückt die Arbeiten des Nürnbergers in ihrer Laudatio in die Nähe des avantgardistischen Künstlers Lucio Fontana, der um 1947 durch radikal aufgeschlitzte Leinwände von sich reden machte. Nicht um zu zerstören, sondern um neue Dimensionen zu öffnen.

Neue Dimensionen erobern auch die Arbeiten der Nürnberger Kunsterzieherin Daniela Huber. Sie sprengen den Rahmen, quellen darüber hinaus oder benötigen gar keinen mehr, weil sie als zarte Papier-Graffiti direkt an die Wand gepinnt sind.
Auch die „Cut-Ins“ ( Ein-Schnitte) der Forchheimer Kunsterzieherin Bettina Specht wölben sich von der Wand und erzeugen im Wandel der Tageszeiten immer neue Licht- und Schatteneffekte.

Nicht nur Landrat Armin Kroder war dankbar für die begrifflichen Klärungen, die Antje Buchwald in ihrer ausgezeichneten Rede vornahm: viele Besucher zeigten sich überrascht von der Vielfalt der Techniken und von den neuen Entwicklungen einer Kunstform, die sich bis zur Erfindung des Papiers um 105 n. Chr. zurückverfolgen lässt, in der Romantik ihre Hochphase erreichte und nach dem zweiten Weltkrieg neu aufgegriffen und revolutioniert wurde.
Vertreter dieser Generation sind im Erdgeschoss des Kunstmuseums ausgestellt und ihre Werke bleiben auch noch brav hinter dem Glas der Rahmen. Trotzdem sorgte bereits Lokalmatadorin Olga Haunhorst (1894 – 1983) aus Hartenstein durch ihre von japanischen und afrikanischen Inspirationen zehrenden Schnitte für frischen Wind.
Ebenso Fritz Griebel ( 1899 – 1976), der mit vergleichsweise „schlichten“ Umrissen sich bei der Formenwelt der Antike, der Vorgeschichte und des Surrealismus bediente und mithalf, den Scherenschnitt vom Geruch des sentimentalen Hobbys zu befreien, ein Vorurteil, das selbst beim Spätwerk aus geschnittenem Papier von Henri Matisse noch rufschädigend wirken konnte.

Ein weiterer Zeitgenosse komplettiert die abwechslungsreiche Schau: Innenarchitekt Hermann Vilter aus Nürnberg liebt es, „Gesichter zu schneiden“. Er verewigt die Köpfe großer Dichter und Literaten im Scherenschnitt. Was eigentlich im Biedermeier die klassische Herangehensweise war, um einen fernen Geliebten oder verstorbenen Verwandten als Scherenschnitt-Konterfei nahe zu wähnen, frischt Vilter durch eine überstark kontrastierenden Fotgrafien ähnelnde Schneidetechnik und unterlegte farbige Untergründe voller Anspielungen auf.

Armin Kroder bezeichnete in seinem Grußwort Kunst und Kultur als das Längenmaß, das den Abstand zur Barbarei ermäße und verband dies mit einem Lob für die ehrenamtliche Arbeit, die im Kunstmuseum Hersbruck geleistet wird. Nun ist dem Museumsteam und den ausstellenden Künstlern nur noch ein reger Besuch zu wünschen, um sich mit dieser vermeintlich vertrauten Technik ganz neu bekannt zu machen.



Die Ausstellung ist vorerst bis zum 19. Juli mittwochs bis samstags von 15.00 bis 18.00 Uhr und sonntags von 14.00 bis 16.00 Uhr im Kunstmuseum in der Amberger Straße 2 direkt am Spitaltor zu sehen. Der Eintritt ist frei.


 















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