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Kurzweiliges Gespräch zwischen Tilman Oehler und Reiner Zitta

„Wir wollten alles werden, bloß nicht bürgerlich!“

Tilman Oehler und Reiner Zitta erzählten bei Künstlergespräch aus Leben und Werk

Ihre Lebensläufe sind recht unterschiedlich und ihre Wege kreuzten sich erst spät. Was sie eint, ist ein aufmüpfiges, eigenwilliges Herangehen an die Kunst, die sie allen Gegenwinden zum Trotz über 50 Jahre ausgeübt haben: Tilman Oehler und Reiner Zitta. Bei einem Künstlergespräch im Kunstmuseum Hersbruck tauschten sie sich über die Demokratisierung der Kunst, Sinn im Unsinn, soziale und politische Komponenten des Kunstschaffens, Gerechtigkeit und den Inhalt ihrer Hosentaschen aus. Timan Oehlers Ausstellung „RETRO“ ist dort noch bis zum 13. Mai zu sehen.

„Eine kleine Säge, Feuerzeug, Taschenmesser, Taschentuch und ein wenig Geld“- auf diese Unentbehrlichkeiten in der Hosentasche, um der künstlerischen Eingebung ebenso nachgeben zu können wie dem kleinen Hunger, konnten sich Tilman Oehler und Reiner Zitta rasch einigen. Ansonsten unterschied sich die Vita der beiden Männer doch beträchtlich.

Tilman Oehler, 1943 in bürgerliche Verhältnissen hinein geboren, wurde von seinem Vater, einem Steuerberater, in die Freiheit der Kunstakademien Stuttgart und München entlassen, unter einer Bedingung: „Wenn Du heiraten willst, brauchst Du einen Beruf!“.
So kam es, dass Oehler die meisten Jahre seiner Berufstätigkeit als Kunsterzieher arbeitete. Das verschaffte ihm die Freiheit, unabhängig vom Kunstmarktgeschehen künstlerisch eigene Wege zu gehen. Gleichzeitig besselte es seinen Unterricht, „den Kindern etwas mitzugeben, was über den Unterricht hinausgeht.“

Reiner Zitta, 1944 im Sudetenland geboren, wuchs mit einem überstrengen Vater in einer strengen religiösen Gemeinschaft auf. Die Natur wurde ihm zum Rückzugs- und Inspirationsort, er suchte die Extreme, lebte in Indien und baute die Künstlerkneipe Gregor Samsa in Nürnberg auf, wo er auch die Akademie besuchte.
Heute sind seine handtellergroßen bis weit übermannshohen Artefakte aus Fundstücken und Zivilisationsmüll nicht nur in der Region bekannt und gesucht. Wenn Zitta „Momente heftiger emotionaler Aufladung sucht“, gelingt es ihm, diese in seine Kunstwerke zu transportieren.

Auch Oehler wirkt aus einer Betroffenheit heraus, sei es über den Zustand der Welt oder persönlicherer Natur, und sucht nach der Qualität, diese Mitleidensfähigkeit wortlos in seinen Bilder mitzuteilen. Dass diese Notizen seiner Befindlichkeit dann besonders ordentlich präsentiert werden, bedeutet ihm wenig. Teilweise stieß im Kunstmuseum die Nonchalance, mit der Tilman Oehler, seine Arbeiten auf Papier mit Stecknadeln an die Wand pinnt, auf Unverständnis.
„Was soll ich Geld für Rahmen ausgeben, wenn ich eh nichts verkaufe?“, konterte Oehler. Er weigert sich ebenso hartnäckig wie Zitta, den Gesetzen eines von der Qualität der Kunst losgelösten Marktes zu gehorchen.

Museumsleiter Uli Olpp hatte als Moderator zuweilen etwas Mühe, die überbordende und äußerst unterhaltsame Erzählfreude seiner Gesprächspartner zu den gestellten Fragen zurück zu lenken.
Was man nebenher und auf Umwegen über die Wandlung der Kunst im letzten halben Jahrhundert, über die Sehnsucht nach Leben und Gerechtigkeit - „sie war manchmal alles, was wir hatten!“ (Zitta)- die Angst vor Bürgerlichkeit und das Engagement für die Kreativität in allen Formen erfuhr – das war, so wie der Untertitel der Oehler´schen Ausstellung verspricht „mannigfaltig und ursymphatisch“.

Die Ausstellung RETRO mit Werken von Tilman Oehler ist noch bis 13. Mai von Mittwoch bis Samstag 15 – 18 Uhr und Sonntag 14 – 16 Uhr bei freiem Eintritt im Kunstmuseum Hersbruck, Amberger Str. 2, direkt am Spitaltor, zu sehen.

Farbige Fotos von Ute Scharrer, Schwarzweissbild von Herbert Schlittenbauer


 













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