Museum Skulpturengarten Künstler Förderverein KMH e.V. Information Freunde + Förderer  
 
   
Kunstmuseum Hersbruck aktuell  Home
 
"Meisterliche Aquarelle" eröffnet

Zarte Silhouetten wie farbige Scherenschnitte, dreiste Farbspritzer, quirlige Tupfer, sich überlappende, durchscheinende Farbschichten, ausgefuchste Kompositionen - das alles sind Beispiele für die vielseitigen Qualitäten der „Meisterlichen Aquarelle“ die bis 9. September im Kunstmuseum Hersbruck zu sehen sind. In Anwesenheit einiger „Meisterinnen und Meister“ wurde in einer festlichen Stunde die Ausstellung eröffnet.

Die Eigenheiten der Aquarellmalerei fordern für gelungene Arbeiten wirkliches Können: es können kaum Korrekturen vorgenommen werden und die Durchsichtigkeit der Farben macht alle Arbeitsschritte offensichtlich.
Doch Museumsleiter Uli Olpp mochte weder auf technische Finessen noch auf die Lebensläufe und künstlerischen Karrieren der acht ausgestellten Aquarellisten eingehen, von denen vier bei der Vernissage anwesend waren. Er stellte stattdessen die Frage nach dem Impetus jeglichen künstlerischen Schaffens: „Warum malt der Maler überhaupt?“
Schützenhilfe bekam Olpp von den Schriften des inzwischen als Aquarellmeister der klassischen Moderne geltenden Paul Cézanne (1839 - 1906), der einiges über seinen Antrieb niedergeschrieben hat. „Ich sehe. In Flecken. Dem Genie läge es ob, diesen Aufstieg in einen Augenblick des Gleichgewichts zu bannen und doch dabei seinen Schwung fühlen zu lassen.“, zitiert Olpp den Erneuerer Cézanne. „Es gilt,“ so übertrug Olpp diese Notizen des Franzosen in eigene Worte, „ ein Zipfelchen von der erhabenen Ordnung der Dinge selbst zu erhaschen!“.

Die ausgestellten Aquarellisten wenden, an diesen Forderungen gemessen, ganz unterschiedliche Methoden an:
Die Arbeiten von Fritz Griebel, noch im 19. Jahrhundert geboren, erforschen die spannenden Kontraste zwischen den zerfließenden Zufallspfaden, die Aquarellfarbe gern nimmt und einer kontrollierten Strichführung.
Die Reiseimpressionen des etwas jüngeren Kurt Kolbe erscheinen etwas konventioneller, stellen aber in Helligkeit und Dunkel interessante Rhythmen in der Landschaft her.
Oskar Koller hat die Intensität seiner Farben und den Wagemut seiner Formen zu großer Meisterschaft getrieben und ist in Hersbruck mit drei menschlichen Rückenansichten vertreten.
Christoph Gerling spielt virtuos mit den Farbüberlappungen in seinen scheinbar lapidar hingetüpfelten Ballettstudien und hat auch noch Beispiele für das Übertragen der Wasserfarbenmalerei auf Keramik mitgebracht.
Hans Hesselbachs Silhouetten nicht allzu weit entfernter Ortschaften scheinen wie aus delikat handgefärbtem Papier ausgeschnitten, sind aber tatsächlich mit sicherer Hand und teils feinem, teils dickem Pinsel gemalt.
Jutta Schwarz nimmt mit kühnen Kompositionen und temperamentvollem Strich für sich ein, noch flatterhafter wirkt die Linie in Ruth Wittmanns zarten Abbildern ihrer Alltagswelt.
Um so stringenter dampft Cornelia Effner die menschliche oder tierische Gestalt auf das Wesentliche ihres Umrisses ein, den sie nur mit einem Hauch Farbe füllt.

So divers die Bilder an den Wänden im Torwärterhäuschen des Spitaltors, so anspruchsvoll auch die Musik, die Stefan Frank am Saxophon zwischen die Reden und Danksagungen streut. Ob Debussy, „Improvisation 1“ von Jean-Marie Londeix oder ein Agnus Dei aus der Zeit des ersten Weltkriegs, das dicht an dicht stehende Publikum wurde auch musikalisch herausgefordert.
Möglich gemacht wurde die breit gefächerte Werkschau übrigens auch durch die Zuarbeit etlicher Engagierter, wie dem ehemaligen Hauptamtsleiter der Stadt Lauf, Udo Taubmann, der Leiterin des Stadtarchivs Lauf, Dr. Ina Schönwald und der Großzügigkeit der Schwester Kurt Kolbes, Hedi Seebode, die seine Werke zugänglich gemacht haben.
Dass man „Meisterliche Aquarelle“ ab der Wochenmitte bis Sonntag besuchen kann, ist dem ehrenamtlichen Einsatz einiger Hersbrucker Bürger geschuldet, die das Kunstmuseum Hersbruck gemeinsam mit Dieter Kinski auch unter der Woche offen halten und Besucher bei freiem Eintritt gerne begrüßen.

Geöffnet bis 9. September von Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 14 bis 16 Uhr. Kunstmuseum Hersbruck, Amberger Straße 2, www.kunstmuseum-hersbruck.de .


 















   zur Übersicht
         Seitenanfang