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Großer Andrang auf die "Verschollenen"

HERSBRUCK- Farbenfroh, expressiv und auf subversive Weise voll inneren Widerstands: so präsentierte sich zur Kirchweih 1937 die frisch bemalte Fassade des Rathauses von Hersbruck- pikanterweise parallel zur Eröffnung der Ausstellung für „Entartete Kunst“ in München. Kunsthistorikerin Dr. Birgit Rauschert sprach zur Eröffnung einer sehenswerten Ausstellung im Kunstmuseum Hersbruck über die dunklen Stunden der regionalen Kunst.

Gekämpft, gehofft und nicht immer wieder auf die Beine gekommen : das lässt sich auch über die Lebens- und Karriereträume der Künstler sagen, denen das sogenannte dritte Reich mehr als nur einen Knick in ihrer Vita bescherte. Um 1900 geboren, stürzten sie sich nach ihrem Kunststudium in die wilde Welt der modernen Malerei - und wurden durch die politischen Ereignisse zu Beginn ihrer Karriere jäh ausgebremst.
Stromlinienförmige, gefällige Malerei war seit Beginn des Naziregimes gefragt, eine Meldung in der Reichskammer der Kunst für die Ausübung des Berufs obligatorisch.

Eine Ausstellung im Kunstmuseum Hersbruck sieht sich Lebensläufe der in der Region tätigen Künstler, die Werke der heute „Verschollene“ Genannten und vor allem auch die fast vergessene Bemalung der Hersbrucker Rathausfassade genauer an. Denn nicht für jeden der behandelten Maler bedeuteten die politischen Entwicklungen das Ende ihrer künstlerischen Karriere. Erich Kohout (1901 bis 1990) erhielt 1935 den Auftrag, die Fassade des Rathauses von Hersbruck zu bemalen. Er holte sich den Kollegen Eitel Klein (1906 bis 1990) dazu und 1937 konnten die beiden das größte Wandgemälde Nordbayerns enthüllen, von Bürgermeister Georg Sperber in Auftrag gegeben, der in den Fresken die NS-Herrschaft als Höhepunkt der Hersbrucker Stadtgeschichte glorifiziert sehen wollte. Deswegen war auch ein weithin sichtbares Hakenkreuz oben am Turm angebracht.

Doch Klein und Kohout drückten ihren Protest gegen das Regime auf subtile Weise aus. Zwar folgten sie mit der Bauern- und Erntethematik äußerlich der Ideologie der Nationalsozialisten, stilistisch und in der tief sitzenden Melancholie der eigentlich feiernden Figuren war ihre Opposition allerdings deutlich spürbar – eine nicht ungefährliche Gratwanderung.
Der Rathausbrand von 1945 machte dem interessanten Gemälde, das sogar ein paar durchaus provokante Aktbilder „im Strudelbad“ enthielt, ein Ende.

Arbeiten der Künstler Fritz Burkhardt und Eduard Aigner, beide in Hersbruck aufgewachsen, sind im Obergeschoss des Museums ebenso wie die Bilder von Ernst Pflaumer ,der als unermüdlicher künstlerischer Chronist des „Fränkischen“ und als ehemaliger Leiter des Hirtenmuseums noch vielen ein Begriff ist, zu sehen. Ohne die Schenkungen und Leihgaben der Sammler Dr. Enser und Gutberlet wäre die Ausstellung nicht so sehenswert.

Viele Besucher interessierten sich für die kraftvollen, mit entschiedenem Strich gemalten Bilder der „Verschollen“, sichtbar beeinflusst von ihren Lehrern und Vorbildern Rudolf Schiestl, Adolf Schinnerer, Karl Caspar und Karl Hofer.
Auch etliche Nachkommen der fünf gezeigten Künstler waren zur Eröffnung ins Kunstmuseum gekommen, um der kenntnisreichen Einführung von Dr. Birgit Rauschert zu lauschen. Die konnte nur Bruchteile der spannenden Thematik zu Gehör bringen und auch die Bilder waren wegen des Besucherandrangs kaum zu sehen. Deswegen legt das Team um Museumsleiter Uli Olpp, das die Ausstellung in einem wahren ehrenamtlichen Kraftakt gestemmt hat, Interessierten den von der Kunsthistorikerin Birgit Rauschert fachkundig geschriebenen und durch Angelika Eisenbrand sehr schön gestalteten und Katalog ans Herz. Er enthält eine Fülle historisch wertvoller Fotografien sowie Auszüge aus den Tagebüchern der Maler genauso wie der vorrangegangene Katalog zu dem ebenfalls als „verschollen“ geltende Künstler Konrad Volkert die beide im Museum und in der Buchhandlung Lösch für je 25 Euro zu erwerben sind.

Auch nach Eröffnung dieser Ausstellung sucht das Museumsteam noch nach Zeitzeugen, die sich an die Rathausbemalung und die Umstände erinnern und bereit wären, in einer gesonderten Veranstaltung davon zu erzählen. Auch wenn der ein oder andere noch Bilder von der Rathausbemalung hätte, würde das Team des KMH diese gerne für weitere Forschung an dem Thema scannen und digital archivieren. Bitte unter info@kunstmuseum-hersbruck.de melden!

Die Ausstellung ist Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freut sich das Museumsteam.

Bilder: - Frau Dr. Birgit Rauschert ist durch langjährige Recherchen mit den „Verschollenen“ sehr vertraut und kann ebenso leichtfüßig wie kenntnisreich über die Künstlergeneration der um 1900 geborenen Maler in der Region erzählen. -Mit lockerem Strich wirft Eduard Aigner das Lieblingsgericht der Franken, den Karpfen, hin und bewegt sich dabei zwischen Impressionismus und Expressionismus. - Erstaunlich modern in Farbgebung und Dynamik der Darstellung sind die zwei Pferde von Eitel Klein. - Das Detail aus der Rathausbemalung „Im Strudelbad“ war in seiner Zur-Schau-Stellung von Nacktheit für die Betrachter der damaligen Zeit sicher ungewöhnlich. Doch auch die Nachdenklichkeit und traurige Mimik der Sitzenden hat ihre Bedeutung.


 











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